Prospekt des Jahres 2024

03.01.2025

Es ist wieder diese Zeit des Jahres. Die Zeit für Rückblicke. Nicht, dass ich da bewusst mitmachen möchte, es trifft sich nur gerade so, dass ich in den letzten Tagen des Jahres 2024 an diesem Bericht zu schreiben beginne. Mal sehen, wie lange es dauert, bis er fertig ist – und wie lang er wird 🙃. Und wie der Titel «Prospekt» die geneigte Leserschaft vermuten lässt, werde ich weniger zu schreiben versuchen, als viel mehr Bilder sprechen zu lassen. Als «Ansichten des Jahres 2024», oder eben prospecte oder vedute, soll es hier ums Fliegen gehen. Nicht um Werkstatt, nicht um Bauberichte, nicht um Tipps und Kniffe. Sondern um das, was Modellfliegende an der frischen Luft tun.

Learning to fly…

Um mit dem letzten Satz gleich zu Beginn zu brechen, starte ich diese Fotosafari mit einem Effort zur Besänftigung des Regulatorius, den wir geleistet haben:

Damit dem Herrn Topper und mir im Sommer ’24 möglichst alle Optionen offen stehen, haben wir uns einen Abend lang an unsere Kompiuter gesetzt. Im Schweisse unseres Angesichts haben wir den Online Kurs der Schweizerischen Eidgenossenschaft zum Fliegen von UAVs (AKA «Drohnen») absolviert und den entsprechenden Kenntnisnachweis erbracht. Obwohl für uns nicht-Drohnenfliegende sehr viel themenfremdes dabei war, haben wir doch auch das eine oder andere dabei gelernt.

Auf jeden Fall sind wir nun auch mit diesem Wasser geweiht gewaschen 📜

Frühlingsfliegen auf dem Flugplatz

So genug des Zynismus. Ich bin ja froh, dürfen wir überhaupt noch fliegen. Was habe ich gerade gesagt? Egal. Sobald das Wetter und die Zeit es zuliessen, ging es wieder auf den Flugplatz, um den Frühling willkommen zu heissen. Fest entschlossen, im 2024 mehr Zeit dafür zu finden mir mehr Zeit zu nehmen.

Es ist leider nicht so richtig etwas draus geworden. Ich war wieder nur etwa drei mal auf unserem Fluggelände im Riet. Die meisten Flugstunden habe ich ausserhalb unseres Flugplatzes verbracht. Vielleicht schaffe ich ja im Jahr 2025 ein paar Besuche mehr.

Mit dem Erwachen der Natur und den länger und wärmer werdenden Tagen wurde natürlich auch das Verlangen nach den eleganten langen weissen Beinen immer stärker. Was kann man da tun? Ja, genau, man schiebt einen Frühlingsputz und -Inspektion vor, damit man die Ladys im Garten aufbauen kann… Wir sehen hier die LS8:

Als die Sonne schon weg war, hat sich der neuste Zuwachs dazu gesellt: Der grösste meiner Segler posiert mit meinem kleinsten Scale Segler – eine Composite RC Gliders Arcus 2.5 die gerade jetzt, im Winter 24 / 25, aufgebaut wird.

Der Ausflug ins Hahnenmoos

Also der ist dieses Jahr ja gottsjämmerlich eher mit Verdruss gestartet. Eigentlich wollte ich am üblichen Samstag im Juni für fünf Tage ins Berner Oberland auf die bekannte Wasserscheide fliegen gehen. Und wie inzwischen leider fast schon traditionell, hätte ich dadurch das Sommerfest meines Arbeitgebers verpasst. Und das ist schlimm. Also das Verpassen. Aber es kam noch schlimmer. Oder eben irgendwie auch nicht. Oder beides. Auf jeden Fall fand das Wetter auch an diesem Wochenende – wie schon an den Tagen zuvor – bis auf weiteres nicht statt. Daher konnte ich zwar besagtes Sommerfest besuchen (was sehr cool war 😎), ich bin dadurch aber erst am Montag ins Hahnenmoos angereist. Die verpassten Tage musste ich zwar vollständig bezahlen, ich bin aber trotzdem froh, es so gemacht zu haben. Was hätte ich da auf 2000 Metern im Nebelregen tun sollen. Ab Montag wurde das Wetter dann etwas freundlicher, es blieb aber wechselnd bewölkt, durchzogen und kühl.

Am Lavey ist ‘s einfach am schönsten…

Trotzdem konnte ich fast an jedem Tag die obligaten 2.5 Flugstunden, entsprechend meiner Minimalanforderung an einen guten Flugtag, absolvieren. Aber, ja, man sieht es – manchmal war das Programm auch Regenwanderung statt Sonnenfliegen.

Schnauzferien Edition 2024

Schon bald nach dem Besuch auf dem Geflügelmoorpass standen unsere traditionellen Modellfliegerschnauzferien an. Leider hatte ich dieses Jahr meine Spiegelreflexkamera vergessen mitzunehmen. Daher sind die Fotos eher ein bisschen bescheiden und sie haben beim Erstellen dieses Beitrages auch deutlich mehr Bearbeitungsaufwand verursacht. «Danke» an die «smarte» Photo-«Verbesserung» der Google Pixel 7 Kamera App, an dieser Stelle 👋. Beim Hochtragen zu den Flugplätzen habe ich den Spiegelschletzer hingegen überhaupt nicht vermisst.

Nachdem das Sortiment parat gelegt und schliesslich verstaut war, ging es los. Unser erstes Ziel war die traditionelle Rösti auf dem Berg im long final, und dann das landing Beer auf unserer Homebase, zusammen mit unseren Segelfliegerfreund:innen.

Wilkommen, Fliegermorgen! Was gibt es schöneres, als mit dem Geruch von Jet A1 in der Nase und dem sonoren Brummen von Propellern in den Ohren aufzuwachen?

Danach fliegen zu gehen, Latürnich! Zum Beispiel mit meinem F3B Besenstiel aus den 1990er Jahren (Baghira) oder Sturzis Dingo.

Das am meisten geflogene Modell dieser Ausgabe der Schnauzferien war aber meine ASW 15 von Glider_it, die zum ersten Mal mitfahren durfte. Meine überschwängliche Ode der Freude an das Modell findest Du in voller Länge im Resumée zur ASW 15 B von glider_it.

Auf der Rückwanderung haben uns jeden Abend die verschiedenen Tiere von der Alp verabschiedet. Ganz besonders die Schweinchen. Den Zaun haben sie dabei mehr als eine Empfehlung angesehen. Das Leben ist immer auch, was man draus macht.

Mit diesem irischen Morgenritual begannen unsere Tage:

Während ich die Hangkanten mit meiner ASW 15 bestrich, ist Sturzi dafür mit seinem neuen Discus geflogen. Auch ein Prachtsvogel in ideal handlicher Grösse für solche Hänge.

Und wer nach einem vollen Tag in den Bergen noch nicht genug hatte, versuchte am Abend seinen Schleudi aus der Talsohle in die Umkehrthermik zu schmeissen. Via «Hanglüftchen» am kleinen Holzstall links im Bild unten genug Höhe machen, bis man an die Baumreihe im Hintergrund traversieren konnte, dort die notwendigen 100 Höhenmeter erfliegen, um via Overhead in die Talmitte zu queren und dort schliesslich Anschluss an die zaghaft steigende Luftmasse der Umkehrthermik zu suchen. Wenn man gaaaanz vorsichtig und konzentriert flog, konnte das klappen 😊

Die Landung geschah dann nach über einer Stunde praktisch im Dunkeln. Gar nicht so einfach, bei einem schwarzen DLG…

 

Der Herr Sturzenegger liess es sich natürlich nicht nehmen, mit seinem frisch eingeflogenen Discus 2 von MIBO vor einem Discus 2 von Schempp-Hirth zu posieren. Alle Drei fliegen wirklich sehr gut.

Nach einem Tag Fliegerpause sind wir weitergefahren. Zurück ins Mittelland, wo wir erneut ein wunderschönes und gemütliches Plätzchen gefunden haben.

Erstaunlich, was heutige Handy Kameras leisten. Hier hilft dann wohl Googles «smarte» Kamera App.

Auch das Mittelland bietet immer wieder fantastische Kulissen zum Modellfliegen.

Leider war das angepeilte Restaurant wegen Pächterwechsel zu, so dass wir unsere Ferien nicht so beenden konnten, wie wir sie begonnen hatten: Mit einem Festmahl. Das tat aber dem in dieser Woche gewonnen seelischen Frieden keinen Abbruch 😌

Alpabzug

Ein paar Wochen später waren der Topper und ich nochmals einen Tag in den Bergen. Dieses mal mit der Spiegelreflexkamera im Gepäck. Einige Hunder Höhenmeter und anderthalb Stunden keuchende Schlepperei. Den zweiten Flugakku für meine LS6, und das damit verbundene zusätzliche Kilogramm Rucksackgewicht, hätte ich mir wirklich sparen können. Das Wetter war zwar nicht ganz perfekt, fliegerisch aber absolut lupenrein. Die Lichtstimmung mit den Gewittern rund um uns herum, war aber dafür um so eindrücklicher. Zum Glück wurden wir erst beim Abstieg leicht angeduscht. Aber lassen wir die Bilder sprechen…

Unter Grossen

Um diesen Bilderbericht abzuschliessen, will ich die Bilder vom Flachlandfliegen mit meiner grossen LS8 nicht vorenthalten. Mit dem Leitwerk auf dem Armaturenbrett ging es zum Fliegen ins grenznahe Deutschland.

Dort haben wir uns zusammen unter grossen Grosseglern getummelt, wie bereits im Herbst separat berichtet. Sie fliegt wunderbar majestätisch und wurde immer mal wieder für einen personentragenden Flieger gehalten. Ein krönender Abschluss der Flugsaison 2024!

Damit schliesse ich auch meinen Fotoblogbeitrag ab und widme mich an den Abenden fortan nun wieder den Aufgaben in der Werkstatt. Davon habe ich ja weissgott genug 😝

Bis dann, im Frühling!

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A Grand Day Out

23.09.2024

In der zweiten Sommerhälfte war ich mit den zwei grösseren meiner verschiedenen LSen im Süddeutschen Raum, auf einem für grosse Segler bekannten Modellfluggelände, und habe der Nuklearfliegerei gefrönt. Zusammen mit anderen Grossseglerpiloten hatten wir einen tollen und überaus entspannten Schlepptag in angenehm allürenfreier und fröhlicher Gesellschaft.

Von Links nach rechts: ASW 15 in 1:3 (5 Meter), LS8 in 1:2.3 (7.11 Meter), ASH 31 in 1:3 (7 Meter), Glasair GlaStar in 1:3 (Schlepper im Hintergrund, 3.6 Meter), ASG 32 in 1:4.5 (vorne, 4.44 Meter), LS6 in 1:3.5 (hinten, 5.13 Meter)

Meine LS8-18 flog, wie wenn sie nie was anderes getan hätte. Es war ungewohnt, seit langem wieder mal einen Segler ohne Wölbklappen zu fliegen. Die ‘8 ist sehr thermikorientiert ausgelegt. Enorm langsam und majestätisch zog sie ihre Runden und wurde immer wieder mal für einen Manntragenden gehalten, der vorbeizufliegen schien. Lammfromm folgt sie dem Schlepper und kreist handzahm in der Thermik. Von den gut 18 Kilogramm merkt man kaum etwas, sie fliegt einfach wie ein grosser, behäbiger Amigo. Ebenso einfach gelingt die Landung. Nur die Wirkung der Störklappen dürfte etwas ausgeprägter sein. Aber bei so einer langen Piste spielt das zum Glück keine Rolle.

Nun einfach ein paar Bilder. Leider nur vom Handy. Das nächste mal wieder vom Spiegelschletzer. Ich nehms mir fest vor 😇

Danke für den Tollen Tag! Und auf bald wieder 🌤️ 😊

Und wer sich beim Titel dieses Postings an etwas erinnert fühlt: Ja, genau, es handelt sich um einen der legendären Wallace und Gromit Filme. Gut erinnert, Fury 😉

 

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Lemkes siebter Wurf – die LS6 von FW Models

24.09.2022

Es ist ja inzwischen hinlänglich bekannt und ich stehe dazu: Ich bin den Rolladen Schneiders verfallen. Neben einer LS1, einer LS4 und einer LS8 wohnt bei mir zu Hause seit einiger Zeit auch eine LS6. Im Frühling 2022 habe ich sie fertig gestellt und nun (endlich) einzufliegen begonnen. Vorne weg: Es bleibt eine Liebesgeschichte. Von der ersten Flugminute an. Aber alles der Reihe nach.

Von Links: LS4 von Krause, LS6-18w von FW Models, LS8-18 auf Basis Rosenthal

Wie es dazu kam

Es begann im Winter/Frühling 2020 als ich von irgendwo her von einer gutaussehenden LS6 von FW-Models Wind bekam. Es passiert ja immer wieder, dass Modellflugzeughersteller Flugzeuge «nachbauen», ohne befürchten zu müssen, damit in Sachen Geschmacksmuster irgendwelche Risiken einzugehen. Aber die Fotos dieser LS6 sahen gut aus. Wirklich gut. Verdammt gut. Zu gut. So gut, dass ich mich schliesslich im Juli 2020 überwunden habe, per Mail mit FW Kontakt aufzunehmen, um vorsichtig einen Preis für den Flieger im Massstab 1:3.5 zu sondieren. Postwendend kam ein freundliches und aussagekräftiges Mail zurück. Bei knapp zweieinhalbtausend Euro auf der nach oben offenen Preisskala, sollte der formschöne Fliegertraum starten. Während vielen Flügen vor dem geistigen Auge und den imposanten Bergkulissen unserer Modellfliegerschnauzferien nahm der Gedanke Form an, und nach den Ferien stand der Entschluss fest: So ein Kahn muss her.

Im August 2020 bestellt, sollte der Liefertermin im Mai ’21 zu liegen kommen. Tja – und was das für eine Zeit war wissen wir alle. Nicht nur mich hat dieses Jahr ganz schön am Schopf gepackt, auch die Mitarbeitenden von Frank und Waldenberger hat es teilweise tragisch erwischt, wie ich erfahren musste. Nichts desto trotz war meine LS6 mit, in Anbetracht dieser Umstände minimaler Verzögerung, Ende Juli ’21 abholbereit. Am Morgen meines Abholtermins machte ich mich auf den Weg über die schweizerisch-deutsche Grenze. Zu Beginn noch nicht ganz sicher wie das wegen der Corona-Lage klappen würde, erwies sich der Grenzübertritt als unproblematisch. Noch unterwegs im Auto, erhielt ich gemeinerweise ein Foto (siehe rechts) von Herrn Topper, der meinen Flieger noch vor mir zum ersten Mal zu Gesicht bekommen hat.

In Philippsburg wurde ich äusserst freundlich von der gerade zu Mittag essenden Mann- und Frauschaft empfangen und sogleich zum Kaffee und auf einem Schwatz eingeladen. Meine LS6 wartete derweil in der Werkhalle schön aufgebaut auf mich. Matthias Paul, einer der Köpfe hinter dem Modellflug-arm von Frank und Waldenberger, war in den Ferien und so wurde ich von Sebastian und Joanna durch den Betrieb geführt.

 

Was ich bestellt, und was ich gekriegt habe. Die Streifen auf der Oberseite wurden nach Absprache nicht über die Querruder gezogen. (Grafik auf Basis einer Dreiseitenansicht von DG Aviation).

Nach längerer guter Unterhaltung machte ich mich, um fünf Meter Spannweite und viel Verpackungspapier reicher (von dem ich heute noch zehre…), wieder auf den Heimweg. Zuhause angekommen ergab die Wägung der Einzelteile folgendes Bild:

Flugzeugteil Gewicht [g]
Aussenflügel (L + R) 149 + 152
Winglets (L + R) 52 + 50
Innenflügel (L + R) 1620 + 1660
Höhenleitwerk 178
Rumpf mit Seitenleitwerk 2150
Flächenverbinder 298

Das Rohgewicht der 18 (bzw. 5) Meter Version betrug rund 6.2 Kilogramm. Die Einzelteile sind dabei von exzellenter Qualität. Die Rumpfnaht ist auf der Oberseite perfekt und absolut unsichtbar lackiert. Die Flügel sind massiv und sehr robust gebaut. Dies tut der Wendigkeit jedoch überhaupt keinen Abbruch, um an dieser Stelle gleich vorzugreifen.

Die Ausstattung

Meine LS6 sollte ein Allrounder werden. Zwar mein bisher «schönstes» Segellugmodell, aber auch eines, das viel zum fliegen kommen sollte, in der Ebene wie auch potentiell in den Bergen. Aus diesem Grund habe ich mich nach reiflicher Abwägung der Optionen für einen Nasenantrieb, neudeustch (und nicht ganz korrekt) auch als «FES» bezeichnet, entscheiden. (Front Electric Sustainer die Bezeichnung des von der Slowenischen Firma LZ Design Antriebssystems.) Sie sollte damit aber nicht nur einen Selbstretter für die Berge an Bord haben, sondern auf unserem Flugplatz auch eigenstartfähig sein.

Für die Motorisierung bin ich, wie so oft, mit dem Flieger (und allen anderen gerade offenen Motorbaustellen) zu Leomotion gefahren und habe mich beraten lassen. Danach war klar: Sechs 5000er LiPo Zellen sollen ein LeoFES mit einem L-4625-445 Aussenläufer mit einer 14×10 Zoll Klapplatte antreiben und für rund sechs Meter pro Sekunde Steigleistung sorgen. Ein grösserer Propeller und damit deutlich mehr Steigleistung liegt aufgrund der notwendigen Bodenfreiheit beim Eigenstart nicht drin.

Als Regler kommt ein Jeti Mezon zum Einsatz, der zusammen mit einem über Schottkydioden getrennten Chocomotion LiIon Akku für eine redundante HV Stromversorgung sorgt. Die Servos sind (fast alle) ebenfalls aus dem selben Hause: Zwei mal Chocomotion 15/22 für die Wölbklappen, zwei mal 10/10 für die Querruder und eins für die Schleppkupplung, sowie ein 12/9.5 für das Höhenruder. Nur das Fahrwerk von Frank und Waldenberger hat ein KST X10.

Der Aufbau

Viel Arbeit gab meine LS6 bis zur Fertigstellung nicht mehr. Ich hatte mir sowohl die werkseitige Montage der Kabinenhaube, als auch die des Fahrwerks und des Seitenruders gegönnt. Auch die Nase haben die Damen und Herren bei Frank und Waldenberger schon passend abgeschnitten, rund gedrückt und inwändig mit Kohlerovings verstärkt. Meine Arbeiten beschränkten sich also im Wesentlichen auf die Montage des Motorspantes sowie die Ausstattung mit der Elektromechanik. FW empfiehlt in seiner Baudokumentation KST Servos. Die von mir gewählten Chocomotion Servos passen jedoch grundsätzlich gut. Den Wölbkappenservos musste ich allerdings mit der Feile zu leibe rücken, damit sie durch die Ausschnitte in der Fläche gefädelt, und in die Servorahmen montiert werden konnten. Ob mir das bei KST Servos erspart geblieben wäre weiss ich nicht.

Bei den Querrudern gestaltete sich der Ausbau deutlich einfacher und auch die kleinen zusätzlichen Abdeckungen für die Servohebel sind nicht notwendig; Es reicht ganz knapp schmale Löcher in den GFK Deckel zu feilen.

Beim Probeliegen der Komponenten des Rumpfes zeigte sich, dass diese recht weit nach vorne platziert werden müssen um ohne Blei auszukommen. Viel leichter wird man also eine reine Seglerversion nicht hinbekommen. Unter dem Akkubrett habe ich auch eine Schleppkupplung eingebaut. Der Flitschenhaken ist mir aber irgendwie durch die Lappen gegangen. Den muss ich vielleicht mal noch nachrüsten. Am Schluss wog die Dame flugbereit 8.13 Kg

Die Sache mit den Spinnern

Etwas Kopfzerbrechen bereitete mir am Schluss eine zwar gut bekannte, bei diesem auf Nasenantrieb ausgelegten und mit Spinner gelieferten Flieger aus einer Hand nicht erwartete Baustelle: Die passende Kombination aus Spinner, Propeller und Flugzeug zu finden. Mit dem ursprünglich von FW mitgelieferten und wunderschön zweifarbig lackierten Spinner wollte nämlich irgendwie keine der Latten aus meinem Fundus oder Urs’ doch sehr vollständigen Ladensortiment passen. Entweder konnte man sie gar nicht montieren (zum Beispiel die klassischen Freudenthaler Latten) oder sie standen ab wie Hasenohren (die GM Scale Latten). Ich ging schliesslich mit einer Notlösung in Form eines GM Scale Spinners, den ich noch etwas anpassen musste, nach Hause. Das konnte es ja irgendwie nicht sein, ging es mir in der Werkstatt durch den Kopf; Also habe ich kurz entschlossen nochmals bei FW nachgefragt, welche Propeller sie den eigentlich vorgesehen hätten. Ohne Umschweife schrieb mir Matthias zurück, sie hätten inzwischen einen neuen Spinner. Wie ich ihn diesen gerne lackiert hätte und wohin er ihn senden könne? Wow, das ist Service! Kurze Zeit später hatte ich also eine neue orange leuchtende Fliegernase in meinem Briefkasten. Der neue Spinner besitzt ein bisschen ein grösseres Mittelteil, womit die Verwendung der leider erst ab 15 Zoll erhältlichen GM Scale Propeller nun klappt.

15 Zoll sind für den Eigenstart mit dem FW Fahrwerk aber zu viel. Was also tun, um nicht den Propeller kürzen zu müssen? Nachdem ich schliesslich das Alu-Mittelteil und die Kappe des ursprünglichen Spinners etwas «Umgefräst» hatte, konnte man dort einen klassischen 14 x 10 Zoll Freudi Propeller montieren, welcher sogar ganz vernünftig am Rumpf anliegt. Damit besitze ich nun zwei Nasen zum Wechseln: Die «Alte» mit einem 14 x 10 Zoll Freudenthaler Propeller für den Eigenstart, und die «Neue» mit einem 15 x 10 GM Propeller, der ein ganz klein bisschen besser zieht, für den Handstart in den Bergen.

Fliegen

Gerade erst habe ich mit der LS6 den Erstflug absolviert. Da zu diesem Zeitpunkt kein Schlepper auf unserem Platz verfügbar war, erfolgte dieser autonom mit dem Nasenantrieb. Alle Ausschläge nach Plan eingestellt, war der Start absolut problemlos. Der 14 x 10 Zoll Propeller hat zwar nicht übermässig viel Bodenfreiheit oder Leistung, doch beschleunigt er die LS6 sicher, und mit halb gezogenem Höhenruder ist er vor Bodenberührungen sicher. Mit einem Hauch Seitenruder lässt sie sich leicht geradeaus halten und nach zwei Dutzend Metern ist sie in der Luft, wo das Höhenruder sanft nachgelassen werden sollte, damit sie Fahrt aufholen kann. Die Steigleistung ist gemütlich aber ausreichend. Ja, sie hat mich entfernt an die Zeit in den 90er Jahren erinnert, als wir mit unseren Graupner Speed-Motörchen mit denkbar schlechtem Wirkungsgrad die Hälfte der spärlichen Energiereserven unserer Nickel-Cadmium Akkus in Wärme anstatt in Höhe umwandelten. Aber immerhin schafft die LS6 ca. 6 Meter pro Sekunde und erreicht damit in einer knappen Minute 300 Meter Höhe. Mit dem 5 Ah Akku sind bei guter Reserve damit locker 4 Steigflüge auf eben diese Höhe möglich.

Fliegerisch zeigte sich die LS6 während den ersten drei Flügen mit dem vorgegebenen Schwerpunkt absolut unkritisch. Sie lässt sich erstaunlich quälen und reist nur im Kurvenflug einseitig ab, wobei sie den Strömungsabriss schon vorher mit deutlich erhöhtem Sinken ankündigt. Obwohl sie absolut ruhig in der Luft liegt, lässt sie sich um die Längsachse erfreulich agil rollen. Kein Vergleich mit meinem Orca, bei dem man einmal Zmittagessen und danach auch noch die Zähne putzen kann, bis er sich einmal um die eigene Achse gewunden hat. Wenn man die Wölbklappen mit den Querrudern mitnimmt (und das sollte man immer tun, egal was einem Andere erzählen) rastet sie beim Rollen richtig ein. Kunstflug lässt sich so sehr präzise fliegen und macht echt Spass mit der Dame. Sie ist aber auch thermisch sehr gut unterwegs. Gerade hier hilft ihr gutmütiges Flugverhalten indem es entsprechend leicht fällt, sie innerhalb ihres breiten effizienten Flugbereichs zu kreisen.

Und wer bis hier hin durchgehalten und sich ob des Titels dieses Artikels gewundert hat – hier die Auflösung: Wolf Lemke hat während seiner Studienzeit bei der TU Darmstadt (zusammen mit Gerhard Waibel, Heiko Friess und Klaus Holighaus) zuerst die wegweisende D-36, und später in seiner Freizeit, während er bei Rolladen Schneider arbeitete, die LSD Ornith entworfen und gebaut. Die LS5 hatte ihren Erstflug jedoch erst nach der LS6. Deshalb ist die LS6 der siebte Entwurf von Wolf. Wer die spannende Geschichte der von Wolf Lemke und Walter Schneider bei der Segelfliegerbauenden Rolladenfabrik nachlesen möchte, dem sei das Buch LS-Segelflugzeuge des Eqip Verlages wärmstens empfohlen.

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