Bau der 1/3 ASW 20 von Airworld
Vor beinahe vier Jahren ist die ASW 20 von Airworld bei mir zuhause gelandet. In einem ersten Bericht habe ich einen Blick auf den gelieferten Bausatz und auf die Umsetzung der ASW 20 im Massstab 1:3 von Airworld geworfen. Der Bau war schliesslich für den Winter 2024 / 2025 geplant. Doch neben den zwei anderen Projekten, einer Ikura und einem kleinen Arcus (den ich mir im Nachhinein hätte ersparen sollen), ist die ASW 20 als einzige nicht fertig geworden und musste nochmals eine Saison im Keller ausharren. Im Winter 2025 / 2026 habe ich sie nun zusammen mit einer FW Libelle fertig gestellt. Hier berichte ich nun über einige Aspekte beim Bau des Modells.
Der ganze Klimbim fürs Modell
Üblicherweise beschaffe ich mehr oder weniger alles, was es für den Bau und Ausbau eines Modells braucht, aufs mal. Klar fehlt da dann mal das eine oder andere, oder ich lasse einzelne Fragen bewusst offen. Auch bei der ASW 20 wars so: Alles was mir in den Sinn kam, habe ich bewusst ausgewählt und bestellt. Das ganze Material packe ich dann in eine angeschriebene Schachtel und habe so immer Ordnung und Übersicht über das Zubehör zwischen den verschiedenen Modellen, die ich gleichzeitig am bauen bin. Während des Baus kann ich mich bequem daraus bedienen und gleichzeitig den Baufortschritt auch dadurch verfolgen, wie sich die Kiste langsam immer mehr leert.
Bei der ASW 20 hat das etwas weniger als 3.5 kg Zubehör ergeben. Das Gewicht der dabei mit gewogenen Verpackung entspricht bei einem Segler häufig gleich ungefähr dem zusätzlichen Gewicht, das in Form von Brettchen und Einbauten anfällt 🙂
Die Servos stammen alle aus dem Hause Chocomotion. Auf den Rest gehe ihm im weiteren Text ein.
Motorisierung
Auch diese ASW 20 würde ich mit einem FES ausstatten, das war von Anfang an klar. Die bei mir üblichen Akkugrössen ermöglichten entweder eine 6 oder 12s Motorisierung. Aufgrund des erwarteten Abfluggewichtes und auch des Bedürfnisses nach Gewicht in der Nase, entschied ich mich in der Auslegungsphase für eine 12s Variante.
Als Motor kommt ein LEO 5030-0220 V3 / Dualsky XM6360EA3-19 Aussenläufer an besagten 12s im Zusammenspiel mit einem 18 x 10 GM Scale Propeller zum Einsatz. Der 50 mm «Scale-Spitz» Spinner von Schambeck rundet den Antrieb ab und passt sehr gut auf den eher spitzen Rumpf der ASW 20. Für die Interessierten ist hier der e-calc Link zur Antriebsauslegung.
Schon vor dem Kappen der Nase (vgl. das erste nachfolgende Bild) wird die wunderbar Originalgetreue Rumpfform sichtbar. Der eiförmige Querschnitt erfordert eine mechanische «Umformung», wenn der Spinner sauber passen soll. Mit einem konisch zugespitzten Rundholz und vorsichtigem Einsatz des Heissluftföhns habe ich die Nasenöffnung so gut es ging «verrundet» und einen passend zugemeisselten 8 mm Sperrholzspant eingeklebt. Dass dabei insbesondere auf der Oberseite einige Risse im Lack entstanden und sich die Gewebestruktur abzeichnete, macht nichts. Die Nase wird später sowieso lackiert und damit vorher gespachtelt und verschliffen.
Am Schluss habe ich dem Schambeck Spinner noch die Spitze gekappt und so, zusammen mit Löchern im Motorstützspant vorne, für etwas Belüftung im Rumpf und den passenden Scale Look gesorgt. Auch das abgetrennte Mini-Näschen des Spinners hat es natürlich in meine Nasengalerie in der Stube geschafft 😊
Da der gewählte Motor trotz des relativ grossen 50 mm Spinners nicht ganz nach vorne in die Nase passt, habe ich eine entsprechende Verlängerung verwendet. Die Dualsky Wellenverlängerung erfordert zur Motormontage einen zusätzlichen Motorspant. Für alle Nachbauenden hilft das erste Bild mit dem Massstab, Zeit beim Formen des Spantes zu sparen.
Kabinenhaube
Das Capot (die in der Schweiz übliche Bezeichnung der Kabinenhaube; vermutlich via dem lateinischen «caput» bzw. französischen «chapeau» im Sinne von «Kopfabdeckung») ist für mich immer eine eher ungeliebte Bauangelegenheit. Aus mehreren Gründen: Man arbeitet mit einem klaren, vorzugsweise kratzerfreien Bauteil, das es sowohl zuzuschneiden als auch zu verkleben gilt. Fehler sind schnell unkaschierbar und beeinträchtigen das Erscheinungsbild nachhaltig. Wenn immer möglich lasse ich diese Arbeit daher von den Profis bei den Herstellerfirmen machen. Aus irgend einem Grund stand dies bei der Airworld ASW 20 jedoch nicht zur Verfügung (Nebenbei: Bei der ASH 26 aus gleichen Hause war das jedoch kein Thema und wurde von Airworld erledigt). Vielleicht liegt die Zurückhaltung bei diesem Modell daran, dass der Kabinenhaubenrahmen ein paar Millimeter zu lang ist. Ohne Anpassung ist er nicht sauber zu verbauen:
Die Lösung ist zwar etwas nervig, aber eigentlich wenig aufwändig und trivial umsetzbar: Ich habe den Rahmen vor dem Instrumentenbrett zersägt, passend gekürzt und danach mit Mumpe und je einem ca. vier Zentimeter langen CFK Röhrchen pro Seite im Innern des Rahmens wieder verklebt. Damit die Form danach auf jeden Fall passt, erfolgte die Aushärtung auf dem zuvor mit Trennwachs behandelten Rumpf. Ganz ohne Schleiferei der Unterseite des Haubenrahmens ging es aber auch damit nicht.
Anschliessend habe ich einen klassischen Haubenverschluss ge- und verbaut. Vorne sorgt ein ein 5 Millimeter Kohlestift für die Positionierung des Rahmens, während hinten ein rostfreier 3 mm Stahldorn in einer passenden Messinghülse als Verschluss dient. Bedient wird er ūber einen daran angelöteten verzinkten Stahldraht aus dem Baumarkt. Alles so vorgebogen, dass es spanungsfrei läuft. Auf beiden Seiten habe ich zudem einen 1.5 mm Federstahldraht in den Haubenrahmen geklebt. Diese greifen beim Aufstecken in das gleichzeitig gebohrte und danach leicht länglich ausgefeilte Loch in der Anformung des Rumpfes. Damit ist das Capot auch seitlich geführt und schliesst sauber mit dem Rumpf ab.
Zum Schluss kam die Angst- und Zitterpartie: Das Ausschneiden und Einpassen der tiefgezogenen Kabinenhaube. Der Rohling weist bereits eine sehr genau passende Andeutung der äusseren Begrenzung der Zuschnitts auf. Wenn man da entlang schneidet, passt die Haube ziemlich genau in den ausschnitt des Rumpfes, so, dass man die Nut des Haubenrahmen anzeichnen kann (erstes Bild unten). Nach dem Einpassen habe die Haube in üblicher Manier auf der Innenseite angeschliffen und mit einer vorsichtig dosierten Menge schwarz eingefärbter Mumpe (24 Stunden Laminierharz) verklebt.
Nach ca. zwölf Stunden Anhärtezeit kann man mit einem Wattepad oder mit Ohrenstäbchen und Alkohol die Klebekanten säubern. Damit spart man sich im Anschluss etwas Schleif- und Säuberungsarbeit. Vor der Lackierung bleibt noch das saubere Verspachteln und Verschleifen mit Polyurethanspachtel.
Fahrwerk
Als Einziehfahrwerk habe ich ein FEMA 1:3 mit dem überlangem FES-Schenkeln und 112 mm Rad eingebaut. Airworld liefert im Bausatz Spanten bereits mit. Für meinen Ausbau musste ich diese jedoch anpassen. Auch hier, zur Zeitersparnis für Nachbauende, ein Scan meiner Spanten mit einen Massstab als Referenz.
Wie man auf den folgenden Bildern sieht, habe ich den hinteren Spant des Fahrwerks ca. 2-3 Zentimeter hinter der Flächensteckung platziert. Damit bleibt mit der langen FES Fahrwerksvariante vorne genug Platz für den Ausbau und das Cockpit mit einer Puppe. Noch weiter nach hinten sollte das Fahrwerk jedoch auf keinen Fall. Bereits so geht sie beim unvorsichtigen Bremsen leicht auf die Nase.
Die Fahrwerksklappen habe ich klassisch mit einer verschobenen Scharnierlinie realisiert. Dazu dient ein 2 mm Federstahldraht in einem entsprechend verharzten Bowdenzugrohr.
Rumpfbug mit Akkubrett
Unter der Cockpitwanne von Airworld ist der vordere Teil der Technik versteckt. Dazu gehört die Schleppkupplung nach meinem bekannten Konzept, hier gleich in Serie für einige weitere Segler gefertigt. Die Schleppkupplung wird von einem kleinen Chocomotion 8/9 Servo angetrieben.
Das «Akkubrett» habe ich wie üblich anhand einer Pappschablone in den Rumpf eingepasst und danach in Sperrholz ausgesägt. Auch hier wieder, für allen Nachbauenden, einem passenden Scan des finales Brettchens.
Leitwerk
Der Aufbau des Leitwerks ist unspektakulär. Einzig zu erwähnen ist, dass das Höhenruderservo wirklich wie von Airworld vorgesehen oben, schräg in der Seitenflosse montiert werden muss. Eine Anlenkung von unten klappt nicht. (Linkes Bild unten von Airworld)
Der Ausbau des Flügels
Wie geliefert hat der Flügel zwei Servoschächte: Einen für das Querruder und einen für Wölb- und Störklappen. Natürlich liessen sich die drei benötigten Servos auch durch die zwei vorgefertigten Schächte verbauen. Die Bilder aus der Baudokumentation von Airworld schlagen folgendes vor:
Bilder: Airworld
Mir war das allerdings zu heikel, zu fummelig und zu unwartbar. Ich befürchtete ein furchtbares Gefrickel. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, Rumpfseitig ein drittes Loch in die Flügelunterseite zu sägen. In den Originalschacht kommt das Störklappenservo, und in den zusätzlichen Schacht kommt das Wöklbklappenservo. Damit auch dieses im Glas-Sandwich-Flügel zuverlässigen und festen halt bekommt, habe ich die Flügelschale innen an dieser Stelle ebenfalls mit einem grosszügig bemessenen Stück Kohlefasergewebe ausgelegt. Dabei hat es sich bewährt, die Kohle auf einer Folie mit Harz zu tränken und mitsammt der Folie durch den Servoschacht zu applizieren. Nach dem sorgfältigen und ausgiebigen Andrücken kann die Folie wieder abgezogen werden.
Damit konnte ich nun ganz normale Servorahmen verbauen und mich mit dem «lediglich üblichen» Gefrickel um die Anlenkung kümmern.
Die Ruderanlekungen
Airworld sieht klassische aussenliegende Anlenkungen auf der Flügelunterseite vor. Dafür liegen entsprechend passende Hutzen bei. So ganz glücklich war ich damit nicht – sind doch heute kaum sichtbare Überkreuzanlenkungen üblich. Durch die üppig vorhandene Dicke der Tragfläche (gemäss Webseite von Airworld besitzt die ASW 20 ein HQW 3/14), und in Kombination mit der Verfügbarkeit von neuen gekröpften Anlenkungen bei Chocofly (und anderen Herstellern), ergab sich auch die Möglichkeit, die Anlenkung unterhalb der Flügelschale im Flügelinnern zu führen. Auf dem letzten Bild unten sieht man, wie wenig damit von der Anlenkung sichtbar ist, und welche Hutzen eigentlich vorgesehen gewesen wären.
Störklappenabdeckungen
Damit blieben noch die Störklappenabdeckungen anzubringen. Auch das ist immer ein bisschen eine Zitterpartie: Sollen sie doch zuverlässig Ausfahren und dabei im eingefahrenen Zustand auf keinen Fall aus der Profilsilhouette herausschauen. Ich bin bei der Montage so verfahren, dass ich die Oberseite der von Airworld eingebauten Störklappen angeschliffen habe, diese danach verriegelt und Mechanisch so weit wie möglich «nach aussen» gezogen habe, bevor ich die zuvor sauber eingepassten Abdeckungen mit einer schmalen Raupe eingedicktem Harz an einem Klebeband aufgelegt habe. Nach dem Aushärten kann im ausgefahrenen Zustand die Verklebung begutachtet, und falls nötig, stellenweise mit etwas Mumpe verstärkt werden.
Spaltabdeckung
Zum Schluss habe ich alle Ruderspalte auf der Tragflächenunterseite, wie auch am Höhenleitwerk, mit 22 mm Spaltabdeckband abgeklebt. Das war bei der von Airworld gewählten Spaltgeometrie her unumgänglich. Sowohl eine klassische Harz-Dichtlippe wie auch einfach «offen lassen» sind quasi unmöglich. Das klappt Wunderbar, ist aerodynamisch sauber Umsetzbar, und ist am Boden sogar deutlich schöner als die unten angeschlagenen Überkreuzanlenkungen. Gegebenenfalls ist dies bei einer Bestellung jedoch auch Gegenstand einer individuellen Absprache mit Airworld.
Ich verwende dazu Ruderspalt-Profilband superweiß 22mm, welches ich mit Spezial-Klebefilm extradünn verklebe und die Vorderkante mit PVC-Klebeband extradünn 12mm abklebe (Bestellnummern B597, B324 und B318 im AirStore – Nein, ich werde nicht von ihnen bezahlt ;-). Mit etwas Übung funktioniert das sehr gut und ergibt saubere Resultate.
RC- und Cockpit-Einbau
Der Antrieb mit Motor, Regler und Akku sowie der Ausbau mit Cockpitwanne und Puppe erfordert, dass die Centralbox praktischerweise ziemlich genau im Schwerpunkt hinter dem Cockpit montiert wird. Die beiden LiIon Akkus für die Stromversorgung habe ich mit Klettband hinter den hinteren Fahwerksspannt verlegt. Dort gibt es genug Platz und damit erreiche in den Schwerpunkt nach Werksangabe mit einem 12 x 3.3 Ah Akku ziemlich genau. Der Rest der Technik verteilt sich seitlich und am Boden unter der Sitzwanne. Letztere wird hinten mit zwei Supermagneten auf einer Auflage mit Anschlag fixiert. Vorne liegt sie frei auf den beiden Akkus und wird durch die sich zuspitzende Rumpfform am nach vorne Rutschen gehindert.
Geflogen wird die ASW 20 übrigens von der zweitletzten Pfannmüllerin, die Hannelore und Axel noch hergestellt haben. Die allerletzte, eine ganz besondere Puppe, harrt noch der Geburt ihres fliegenden Untersatzes 😏🤫.
Design
Zu den ambivalentesten Teilen beim Modellbau gehört das Finish. Wie soll der Flieger bloss aussehen…
Das einzige, was ich von vornherein bestimmt hatte, war, dass die ASW 20 «Mike Six» werden würde. Also «M6» aufs Leitwerk und den rechten Flügel bekommt. Der Rest war offen. Lange Zeit dachte ich, ich würde eine klassische Schleichernase realisieren. Zusammen mit ebenso klassischen roten Flügelspitzen. So wie im einleitenden Bild des ersten Beitrages zur ASW 20 von Airworld oder vorne auf dem «Segelflugmodell Teil 1» von Franz Perseke, das ich schon in meinen Jugendjahren verschlungen und die Orchidee auf dem Titelbild immer wieder bewundert hatte (siehe dazu auch den Beitrag «Ein bisschen Modellflugnostalgie und -Geschichte»).
Bild links: via Alexander Schleicher
Und dann kam im frühen 2026 ein E-Mail von Ronald Veidt, seines Zeichens Modellflieger und Besitzer einer personentragenden ASW 20, mit einer Frage zur ASW 20 im Allgemeinen. Zusammen mit seinem Anliegen sandte er mir fantastisch schöne Bilder seiner ASW 20 und hat damit unwillentlich meinen vermeintlich seit Jahren bestehenden Designentscheid ins Wanken gebracht. Doch keine klassische Schleichernase? Will ich es wirklich so «normal» wie gefühlt alle anderen mit einem ASW 20 Modell?
Und nun seht Ronalds Fotos selbst (Bilder: Daniel Hager):
Nein! Es sollte eine solch halbrote Nase werden. Das hatte zusätzlich den Vorteil, dass der Propeller auch ohne Positionierung und komplizierte Bemalung problemlos im Design verschwinden würde.
Für die Immatrikulation ging ich wie immer vor: Ich bestimmte im Luftfahrzeugregister den Bereich, in dem die zeitgenössischen ASW 20 immatrikuliert wurden, und suchte mir in diesem Bereich eine mir schöne oder bedeutungsvolle Zahl (es darf über die Hintergründe für die 1475 geraten werden 😉). Damit sind meine Segler üblicherweise Vorbildähnlich, haben jedoch keine konkreten Vorbilder in der realen Welt.
Die Nase und die Flügelspitzen haben ich mit Acryllack gespritzt, und der Schneidplotter lieferte mir die «Decals» und die Kleberahmen für die flachen Servodeckel. Das Aufbringen erfolgte wie im Bericht zur LS6 beschrieben mit Seifenwasser an den zuvor eingemessenen und mit Klebeband eingerahmten Stellen.
Bilder und erste Flüge
Just aufs Frühlingsfliegen der IGG in Hinwil wurde meine ASW 20 fertig. Es lag also auf der Hand, diese dort erstzufliegen 😏 Das gelang auch ganz unspektakulär. Mit ihren 11.75 kg Abfluggewicht flog sie ruhig und sicher wie ein klassisch ausgelegter Thermiksegler. Das tat sie auch einige Wochen später im Baselbiet beim Schlepptreffen der MG Büren. Danke an dieser Stelle nochmals für die Einladung und den gemütlichen gemeinsamen Tag. Es braucht noch einige Flüge, bis ich sie fertig eingestellt habe und noch etwas detaillierter Auskunft geben kann. Aber soviel steht fest: Sie fliegt wunderbar und bereitet vom ersten Moment an viel Freude. Mit ihrer Perfekten Linienführung 🥰
Die ganzen technischen Angaben zu meiner ASW 20 finden sich in der Flottenübersicht.
Retrospektive
Was habe ich gelernt und was würde ich beim zweiten Mal gleich oder anders tun?
- Der ausgewählte und so von mir erstmals eingesetzte 12s Antrieb funktioniert bestens und ergibt ein schönes Steigen. Die ASH 26 aus gleichem Hause wird darum die selbe Konfiguration erhalten.
- Ich denke, ein 6s Antrieb würde auch funktionieren. Von der Leistung her vermutlich knapper, der Schwerpunkt wäre aber durch Umplatzierung einiger Komponenten wahrscheinlich auch erreichbar.
- Die Flügelanformung, oder besser gesagt, die von Airworld gebohrten Löcher für die Verdrehsicherung der Tragflächen sind nicht ganz genau symmetrisch. Lass dies so und korrigiere das nicht – Tue das auf jeden Fall nicht vor dem Erstflug. Im Dummerchen habe das im Eifer des Perfektionismus «präventiv» getan. Ich werde es wieder umbauen müssen, da ich wohl um diesen Betrag trimmen musste, damit sie neutral fliegt.
Stand: Juli 2026 and to be continued 🙂
Post Scriptum
Inzwischen sind auch andere Hersteller (wieder) auf den Zug des möglicherweise ikonischsten Segelfliegers aufgesprungen. Namentlich Chocofly. Bereits im letzten Jahr haben sie eine handlichere ASW 20 mit vier Metern Spannweite lanciert. Dani hat mir im Sommer letzten Jahres dann berichtet, dass sie auch noch eine 5 Meter Variante lancieren werden. Die Katze haben sie genau in diesen Tagen aus dem Sack gelassen und auch die grosse ASW 20 an der Segelflugmesse in Schwabmünchen enthüllt. Diese ist sicherlich eine Alternative in moderner Ausführung zu der hier gezeigten ASW 20 von Airworld. Sprich mit dünnen Profilen und – wenn gewünscht – in hochfester Ausführung. Die ASW 20 von Airworld ist eine absolute Schönheit und überzeugt insbesondere mit einer beinahe perfekt getroffenen Rumpfform. Fliegerisch gehört sie zu den klassischen Grossseglern mit Vorbildtreue sowohl in Erscheinung als auch im Flugbild als Hauptanspruch.
Tags: ASW 20, Segelfliegerei, Technik, Werkstatt
Mike 6 is here – Ein erster Blick auf die ASW 20 von Airworld in 1:3
Es gibt viele schöne Segelflieger. Und viele gefallen mir wegen ihrer eigenwilligen, vom Standard abweichenden Form. Aber neben der Schönheit durch den Reiz des Aussergewöhnlichen (der es mir schon immer besonders angetan hatte) gibt es auch die Schönheit durch Perfektion: Ein schlanker, sanft und harmonisch geschwungener Rumpf, gepaart mit einer klassischen Flügelgeometrie. Keine Ecken, keine anorektisch eingeschnürte Taille, kein abrupter Knick oder holpriger Tiefensprung in der Tragfläche, keine übertriebene Zuspitzung. Das ist die ASW 20. Sie ist in meinen Augen seit je her die Vollendung der Segelfliegerform; So, wie ein lieber Gott sie formen würde, täte es einen solchen geben.

Bild: via Alexander Schleicher
Das Original
Die ASW 20 wurde in der zweiten Hälfte der Siebziger Jahre geboren. Sie war Schleichers Antwort auf die damals, nach einigen Wirren um die Reglementierung von Wölbklappen, neu eingeführte Rennklasse. Sie konkurrenzierte zum Beispiel die Rolladen Schneider LS3 und kombiniert den Rumpf der ASW 19 mit einem neuen Flügel. Wer mehr zur Geschichte der ASW 20 und der Schleicher-Flugzeuge erfahren will, der kann sich im Buch «Rhön-Adler» von Peter F. Selinger schlau machen.¹
¹Leider kann ich das Buch nicht im selben Masse wie Wolfgang Binz’ «LS-Segelflugzeuge» empfehlen. Es ist zwar einigermassen Informativ, jedoch aufgrund seiner durchs Band viel zu langen und immer wieder falsch verschachtelten Sätze sehr unangenehm zu lesen. Fehlende Wörter und Satzzeichen machen es zudem regelmässig schwer zu beurteilen, was der Autor genau zum Ausdruck bringen wollte. – Und das will etwas heissen, wenn ich mich über so etwas beklage…
Die ASW 20 als Modell
Zum meinem schon sehr lange anhaltenden Erstaunen gibt es – Stand 2021/22 – nur sehr wenige Modelle der ASW 20 (oder 19). Der Wunsch, dieses formvollendete Segelflugzeug als Modell fliegen zu können, lässt sich jedoch nicht nur deshalb nicht so einfach in die Tat umsetzen: Paritech hat zwar schon lange eine ASW 19 in 1:4 im Programm. Leider ist sie mit Ritz-Profilierung aerodynamisch etwas angestaubt. Die wirklich sehr interessante ASW 20, die Paritech mal hatte, ist leider schon lange nicht mehr lieferbar. Valenta hat ebenfalls eine ASW 20 mit 4 Metern Spannweite – die mir aber nur bedingt gefällt. Hangar 9 brachte Mitte der 2010er Jahre eine etwas grössere ASW 20 heraus. Allerdings hatten sie sich mit der Rumpfform derart arg vertan, dass sie nicht in Frage kommen konnte. Und schliesslich hat Paritech vor nicht all zu langer Zeit eine neue ASW 20 mit ca. 4.7 Metern Spannweite lanciert. Die Grösse hätte mir gut gepasst. Allerdings haben sie ihr Vorführmodell mit einer Art geometrischem Tarnmuster wie ein Erlkönig lackiert, so dass die Form auf den vielen Fotos im Internet nicht zu beurteilen war. Die sehr wenigen verfügbaren Fotos von «normal» lackierten Modellen konnten meine Befürchtung nicht entkräften, dass es einen guten Grund für das Tarnmuster geben könnte. Also leider auch keine Option, um mein Bedürfnis nach einer Kopie dieser perfekten Rumpfform zu befriedigen.
Vor einigen Jahren hat auch Airworld eine ASW 20 im Masstab 1:3 in Ihr Programm aufgenommen. Fotos gab es ausserhalb der Webseite des Herstellers nur wenige, und Erfahrungsberichte gar keine. Die verfügbaren Fotos zeigten aber eine gelungene Rumpfform, und der Massstab sowie die Auslegung stimmten für mich. So habe ich mich Anfang Jahr mit Airworld in Verbindung gesetzt und mich diesen Sommer, genau zwei Jahre nach meiner LS6, schliesslich zur Bestellung überwunden. In der sehr freundlichen Kommunikation mit Herrn Reisert wurden zügige 12-14 Wochen Lieferfrist angekündigt. 18 Wochen hats dann tatsächlich gedauert, bis der Flieger versandbereit war. Ich habe das schon ganz anders erlebt – das passt so.
Die ASW 20 von Airworld
Diese Woche ist sie nun endlich gekommen. Meine Jugendliebe in weiss: Per Camion wurde der grosse Karton geliefert, und der Camioneur hatte ungefähr die selbe Mühe das Ungetüm vor die Haustüre zu schleppen, wie ich danach in die gute Stube.
Natürlich musste der Karton am Mittag sofort geöffnet werden. Zum Vorschein kam zuerst mal ein Kubikmeter Polystyrolchips. Der Rumpf und die Flügel waren schnell ertastet und extrahiert. Geduldiges Durchwühlen förderte nach und nach die restlichen Bestandteile zu Tage. Eine Packliste, welche dabei ebenfalls auftauchte, half die Gewissheit herzustellen, dass ich irgendwann alles gefunden und herausgefischt hatte. Den ersten Anflug von Begeisterung von der Firma Airworld hatte ich, als ich in dem zweieinhalb Meter langen Karton neben den Chips auch einen grossen Plastiksack entdeckte, in welchen ich die Chips umfüllen und den Karton damit zur Entsorgung zerlegen konnte. Ein Detail, aber das ist echt mitgedacht, Leute!
Der Rumpf ist «Hochweiss», wie man in den Neunzigerjahren in den Prospekten zu lesen pflegte. Die Rumpfnaht ist sowohl auf der Oberseite wie auch unten sauber und unsichtbar lackiert. Hier schlägt die ASW 20 meine LS6, die nur oben lackiert ist. Die Flügel und das Höhenleitwerk sind sauber gebaut, die Flügelhinterkanten etwas Dicker als bei der LS6. Schempp-Hirth Störklappen sind bereits in die beiden Flügel eingebaut und benötigen lediglich je ein Servo. Die Tragflächen und der Rumpf werden klassisch mit einem massiven Rundstahl miteinander verbunden. Komplettiert wird mein Bausatz durch ein Seitenruder, eine Kabinenhaube, einen Haubenrahmen und einem Beutel mit Zubehör wie Abdeckungen, Seitenleitwerks- und Fahrwerkspanten. Winglets habe ich ebenfalls mitbestellt. Ich werde die ASW aber zuerst einmal klassisch, ohne dieselben, aufbauen.
Die ASW 20 macht allgemein einen etwas weicheren Eindruck als die steinhart gebaute LS6 von FW Models. Das passt aber gut zum Original, welches bekannt dafür ist, die Flügel beim Fliegen dynamisch sichelförmig durchzubiegen. Man geniesse zur Illustration hierzu folgendes Video, welches ich 2016 schon einmal in einem schwärmerischen Anfall hier gepostet habe.
Selbstverständlich musste auch die Neueste zum obligaten Gang auf die Wage antreten: (Wer mit der LS6 von FW Models vergleichen will findet deren Massen in diesem Beitrag)
| Flugzeugteil | Gewicht [g] |
|---|---|
| Höhenleitwerk | 219 |
| Seitenruder | 73 |
| Flügel L / R | 1837 / 1832 |
| Winglets | 29 / 30 |
| Rumpf | 1855 |
| Flächenstahl | 896 |
| Kabinenhaubenrahmen | 132 |
| Capot | 255 |
| Sitzwanne | 131 |
| Zubehörbeutel | 189 |
| Total | ~7500 |
Und wie schauts jetzt aus mit der Vorbildähnlichkeit?
Bereits in der Stube war der erste Eindruck der ’20 aus dem Hause Airworld im Massstab 1:3 gut. Aber wenn man schon die Originalpläne von Schleicher besitzt, dann kann man dem Gefühl ja noch zu etwas mehr Objektivität verhelfen. Also Flugs mit dem NATEL ein «Orthofoto» gemacht und mit den eingescannten Plänen überlagert:
Auch wenn (oder gerade weil) die Qualität meiner Handykamera sicherlich gegen den Bildrand nicht frei von Verzügen ist, so zeigt sich doch, dass Airworld die Rumpfform wirklich sehr gut getroffen hat. Einige Abweichungen sind interessant: Offenbar ist das Seitenleitwerk geringfügig weniger hoch, als es sein dürfte. Das erstaunt ein wenig, weil doch das Leitwerk beim Modell aufgrund der etwas verringerten Wirksamkeit typischerweise etwas vergrössert werden muss. Mindestens das Höhenleitwerk – dazu später mehr. Zweitens ist der Kabinenhaubenausschnitt etwas nach hinten verlängert. Grund dazu ist vermutlich der ebenfalls um ca. 35 Millimeter nach hinten verlegte Flügelansatz. Über den Grund dafür wiederum kann ich nur spekulieren. Sehr gut denkbar ist, dass diese kaum sichtbare Abweichung so einkonstruiert wurde, damit der Schwerpunkt leichter erreicht werden kann. Der leicht nach hinten versetzte Flügel macht das Erscheinungsbild zudem tendenziell etwas eleganter.
Gut sichtbar sind ebenfalls die Mittellinien der beiden Wurzelprofile, welche den exakt selben Einstellwinkel haben.
Das Höhenleitwerk wurde ganz klassich etwas verlängert und hat damit genau 10 % mehr Fläche, als es massstäblich der Fall wäre.
Im RC-Network ist zu lesen, dass die 1:3 ASW 19 von Airworld den selben Flügel wie die ASW 15 aus dem selben Haus habe. Das selbe gilt vermutlich auch für die ASW 20, und das erklärt auch die Abweichungen der Masse vom Original (nur grob gemessen und eingezeichnet). Wenn man die Ansichten der ASW 15 und 20 von Schleichers Webseite überlagert, ergibt sich genau das selbe Bild. Die tiefen Querruder und Wölbklappen lassen auf jeden Fall ein wendiges Modell erwarten :)
Ich freue mich, dieses fantastische Original endlich in einem würdigen Modell abbilden zu können, ich freue mich auf den Bau und natürlich noch viel mehr aufs Fliegen! Wie genau ich sie ausbauen werde habe ich noch nicht entschieden. Sicherlich bekommt sie wieder eine elektrische Aufstiegshilfe. Mehr dazu in Bälde wieder hier, auf diesem Sender.
Und für die, welche mit Lesen bis hier unten durchgehalten habe: Wieso eigentlich «Mike 6»? Nun, die letzte weisse Lady war M5, und damit kommt nun eben M6 ;)
Schöne Festtage allerseits!
Tags: ASW 20, Segelfliegerei
Die Vollendung der Form
Mit der ASW 19/20 hat Schleicher, bzw. Gerhard Waibel, eine Ikone geschaffen. Die Form, die wohl am schönsten und zeitlosesten stellvertrended für den modernen Segelflieger steht.
Dieses Video ist nicht nur eine Ode an die ASW 20, sondern auch an die Schönheit des Fliegens :)
Tags: ASW 20, Die Richtigen, Segelfliegerei
Damit ich den Link nicht vergesse…
…da macht einer wunderschöne Fotos:
Bilder: Tobias Barth, https://www.flickr.com/photos/111490865@N05/
Da werd ich glatt neidisch auf Sturzis Mosquito Rumpf.
Tags: ASW 20, Die Richtigen






































































































