Schleppkupplung für Segelflieger einfach gemacht
(Diesen Text gibts es auch unter «Technik» → «Schleppkupplung für Segelflieger»)
Alle brauchen sie, man kann sie zwar kaufen, die Meisten machen sie aber selbst und alle macht sie anders: Schleppkupplungen für unsere Segelflieger. Es gibt unzählige Varianten und während die käuflichen Schleppkupplungen meist für eine Montage in der Nase konstruiert sind, werden die Eigenkonstruktionen häufig im vorderen Bereich Rumpfbootes unten oder leicht seitlich in der Rumpfschale montiert. Ich habe mir dafür eine eigene, sehr einfache und robuste Variante erdacht. Und da ich bei der «Inspektion» meiner Modelle auf der Flugwiese oder im Werk- und Lagerraum in den Bergen von Kollegen immer mal wieder drauf angesprochen werde, stelle ich diese hier kurz vor.
Das Prinzip
Es ist wirklich ganz einfach. Man braucht dazu drei Dinge: Eine Unterlegscheibe, ein Messingrohr welches mit der ersteren Verlötet wird, und einen Federstahldraht als Dorn der sauber und Leichtgängig in das Messingrohr passt. Die Unterlegscheibe umrandet das spätere Loch für die Kupplung und dient sowohl als Schutz vor Ausfressen, wie gleichermassen der Aufnahme der Kräfte. Durch eine zum Modell passende Bemessung der Scheibe wird der Einleitung der Kräfte in die Rumpfschale Rechnung getragen.
Herstellung
Es gibt zwei Varianten, wie die Kupplung gebaut werden kann:
- Entweder verlötet man beide Messingröhrchen einzeln auf die Unterlegscheibe,
- oder als ganzes quer über die Scheibe, und entfernt danach das Mittelstück.
Beide Varianten haben vor und Nachteile. Die Erstere gibt ein bisschen weniger zu tun, und die Braue, die bei beim zertrennen des Röhrchen entsteht, kann etwas leichter entfernt werden. Dafür muss beim Verlöten peinlich genau auf die saubere Flucht der beiden Röhrchenstücke geachtet werden damit der Dorn auf keinen Fall klemmt. Die zweite Variante fluchtet auf jeden Fall, dafür muss nach dem Verlöten das Stück in der Mitte entfernt werden. Ich mache es je nach Tageslaune mal so und mal so.
Tipps dazu:
- Bei der ersten Variante empfiehlt es sich zum Verlöten die beiden Röhrchen auf den zukünftigen Dorn aufzufädeln, damit die beiden Rohrstücke sich sauber fluchten.
- Der Dorn wird vorne Rund und glatt geschliffen, so dass er leichter sich einfädeln kann und beim Ausklinken die Schleppschlinge nicht verletzt.
- Alle Verlötungen führe ich jeweils mit Flussmittel und einem genügend leistungsfähigen Lötkolben aus, der das Material auch wirklich auf Löttemperatur aufheizen kann.
- Nach dem Löten werden alle Lötstellen mit einer Drahtbürste gereinigt um das überschüssige Flussmittel wegzuputzen. Das greift sonst mit der Zeit das Metall an und eine Flussmittelschicht verhindert eine saubere Verklebung.
Die Schleppkupplung kann mit 2 mm Dornen oder auch mit grösseren Dorndurchmessern gebaut werden. Auch dünnere sind für kleine, leichtere Modelle natürlich möglich.
Unten ist eine 2 Millimeter Version zu sehen, welche direkt mit dem Kupplungsservo verbunden wird. Die Unterlegscheibe kann (am besten vor vor der Fertigung) ungefähr passend zum Rumpfradius an der gewünschten Stelle gebogen werden. Gerade für kleinere Segler bietet sich diese Variante an.
Und das ist eine 3 Millimeter Version, welche nicht direkt, sondern über einen dünneren Federstahldraht betätigt wird. Dieser wird in eine Nut im Dorn eingelötet.
Einbau der Schleppkupplung
Die Schleppkupplung wird am einfachsten an der noch undurchbrochenen Rumpfwand festgeklebt. Für die Verklebung reicht an sich 5 oder 30 Minuten Epoxy. Wer Zeit hat nimmt jedoch eingedicktes 24 Stunden Harz. Es ist nicht falsch den Federstahldraht vor dem Verkleben mit etwas Silikonfett einzuschmieren und einige Male im Messingsröhrchen hin und her zu bewegen. Dadurch wird die Kupplung für den späteren Gebrauch leichtgängiger und gleichzeitig kann dem Blockieren der Kupplung vorgebeugt werden, sollte beim Verkleben der Kupplung trotz aller Vorsicht doch etwas Klebstoff ins Röhrchen gelangen. Natürlich empfiehlt es sich die fertig gelötete Kupplung sowie die Rumpfwand vorher anzuschleifen und die Kupplung aussen, insbesondere die Klebeflächen (wieder) wirklich sauber zu entfetten!
Nach dem Aushärten des Klebstoffes kann das Loch im Rumpf geöffnet werden. Am leichtesten geht das, wenn man von innen her ungefähr mittig in der Unterlegscheibe mit einem kleinen Bohrer nach aussen bohrt. Das muss nicht besonders präzise oder gar senkrecht zur Oberfläche sein. Sobald die Lage der Kupplung von aussen sichtbar ist, kann man sich bequem von aussen her mit einem grösseren Bohrer und einer Rundfeile bis zum Metall der Unterlegscheibe vorarbeiten. Zum Schluss das Loch sauber verputzen, sprich die schraken (Rumpf-) Kanten brechen und glätten.
Bei Varianten mit direkter Anlenkung durch den langen 2 mm Dorn wird erst danach wird das Klinkenservo platziert und verklebt. So wird sichergestellt, dass es genau in der Flucht der Kupplung zu liegen kommt und diese damit möglichst leichtgängig ist. Ist das Servo an seinem Platz, kann der Federstahldraht abgelängt, passend zurechtgebogen und mit einem Gabelkopf versehen werden.
Unten sind zwei der 3 mm Kupplungen zu sehen, die je über einen dünneren, normal zu verlegenden Bowdenzug angesteuert werden.
Sonderbaustellen
Mit einem längeren Röhrchen lässt sich die Schleppkupplung auch im Nachhinein «endoskopisch» in bereits zugebaute Rumpfnasen platzieren, ohne diese demontieren zu müssen. In diesem konkreten Fall wurde das Loch im Rumpf schon vorher gebohrt und die Kupplung während dem Verkleben mit einer Schlaufe satt an die Rumpfwand gezogen:
Die leicht seitliche Lage der Kupplung in diesem Beispiel ist beim Schlepp nicht merkbar. Dafür ist das Einhängen bei diesem Segler ohne Fahrwerk etwas leichter.
Feedback, Erfahrungsberichte und Verbesserdungsideen zu meinen Methoden nehme ich immer gerne entgegen 🙂
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